An Künstlicher Intelligenz (KI) kommt kein Unternehmen in der Region vorbei. Wie und in welchem Umfang KI eingesetzt wird, hängt nicht nur von der Branche, sondern auch von der Unternehmensgröße ab. Das ergab eine Studie des Fraunhofer IAO im Auftrag der Pakt Zukunft gGmbH mit der IHK Heilbronn-Franken.

„Die Erwartungen an den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Unternehmen der Region sind hoch, die Mehrzahl der Betriebe sieht das Potenzial der Technologie, weiß aber auch um die Herausforderungen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen brauchen Unterstützung und Vernetzung. Die IHK sieht sich bestätigt, KI zu einem zentralen strategischen Thema zu machen und auch den im Oktober gegründeten Dialog Zukunft mit einem Schwerpunkt KI in der Region anzuschieben“, fasst Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, die Ergebnisse einer Studie zusammen, die das Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation IAO im Auftrag von Pakt Zukunft gemeinsam mit der IHK erstellt hat.

Befragt wurden im Juli und August 2023 auf Grundlage von Experteninterviews 160 Mitgliedsunternehmen der IHK aus produzierendem Gewerbe, Dienstleistungssektor und Handel, darunter kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Großkonzerne und Weltmarktführer.

Die Studie zeigt: In fast allen Betrieben quer durch alle Branchen ist KI ein Thema, nur 19 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht oder noch nicht mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Beim Umfang der KI-Anwendungen sind die Kapazitäten, Herangehensweisen und Erwartungen jedoch sehr unterschiedlich. „In der Auseinandersetzung mit KI haben wir große Unterschiede im Reifegrad der Unternehmen festgestellt“, hebt Dr. Bernd Bienzeisler, Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme KODIS am Fraunhofer IAO in Heilbronn, hervor.  So ist KI lediglich bei zwei Prozent der kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits im Einsatz. Allerdings beschäftigen sich 69 Prozent schon aktiv mit Einsatzpotenzialen für KI oder nutzen KI-Tools externer Anbieter. Demgegenüber setzt mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern KI ein oder befindet sich in der Einführungsphase.

Die Ergebnisse der Studie veranschaulichen, dass die Ressourcen für KI mit der Unternehmensgröße zunehmen. Dabei ist die Anwendung nicht auf einzelne Betriebszweige begrenzt. „Die Wirkung von Künstlicher Intelligenz erfasst das ganze Unternehmen. Gerade in mittelständischen Unternehmen resultiert daraus ein erheblicher Bedarf an Qualifizierung der Beschäftigten“, so Bernd Bienzeisler. Die Studie unterteilt die befragten Unternehmen in drei Kategorien: KI-Beginner, KI-Mittelfeld und KI-Vorreiter. Letztere haben bereits mindestens eine KI-basierte Anwendung im Einsatz.

Die Mehrzahl geht davon aus, dass die Relevanz von KI für Unternehmensabläufe in den nächsten Jahren zunehmen wird. 69 Prozent der Unternehmen prognostizieren KI einen deutlichen Bedeutungszuwachs. Daraus ergeben sich unterschiedliche Erwartungen und Handlungsansätze. „Die Bedeutung von KI wird von den Unternehmen sehr hoch eingestuft. Das gilt auch langfristig. Aber die Erwartungen liegen stark auf kurzfristigen Einsparungen von Zeit und Kosten. KI wirkt aber auch transformativ auf das Geschäftsmodell – dies gilt es stärker zu vermitteln“, empfiehlt Bernd Bienzeisler.

Im Einsatz ist KI derzeit vor allem in den Bereichen Vertrieb, Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Marketing. Potenziale sehen die Unternehmen darüber hinaus bei Qualitätssicherung, Instandhaltung und Personal. Eingesetzt wird KI insbesondere zur Prozessoptimierung und -automatisierung sowie als Bestandteil neuer Produkte und Dienstleistungen. Eine zentrale Rolle spielt der direkte wirtschaftliche Mehrwert oder, wie es ein Unternehmer in den Interviews formulierte: „Wieviel Zeit und Geld können wir einsparen? Danach werden die Use-Cases priorisiert.“

Der Beschleunigung von Prozessen, einer Entlastung des Personals und der Kosteneinsparung wird demnach auch der größte Mehrwert von KI-Anwendungen zugesprochen. So hoch die Erwartungen an KI sind, so unterschiedlich sind die Hürden in den Unternehmen, die einer Umsetzung im Weg stehen. Wichtigstes Hemmnis ist der Mangel an Zeit. Aber auch die lückenhafte Datengrundlage und fehlendes Personal stellen für viele Betriebe eine Herausforderung dar. Fehlendes technisches Knowhow bremst 68 Prozent der Unternehmen mittlerer Größe beim KI-Ausbau aus.

Entsprechend hoch ist der Bedarf an Unterstützung und Kooperation, der je nach Unternehmensgröße und Erfahrungsgrad unterschiedlich ausfällt. So tauschen bereits 37 Prozent der KI-Vorreiter Daten von Entwicklungs- und Innovationsprozessen aus. Eine Chance sehen die Befragten in den Unternehmensnetzwerken der Region. „Mittelständische Unternehmen profitieren von der Regionalität, da sich das Fachpersonal untereinander kennt und vernetzt“, bilanziert Projektleiter Maximilian Feike, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IAO. Kleine Unternehmen wünschen sich vor allem Informationen zu marktreifen KI-Lösungen.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring appelliert in dem Zusammenhang an die Unternehmen, bereits vorhandene Angebote zu nutzen – allen voran die Chancen, die das KI-Ökozentrum IPAI bietet. Schlüssel im KI-Transfer ist das KI-Transferoffice KITO von IHK und Pakt Zukunft. „Das KITO vernetzt das IPAI mit der Region, bietet Orientierung unter anderem mit KI-Kompass und KI-Touren. Die Fraunhofer-Studie ermöglicht es uns nun, die Transfer- und Netzwerkarbeit noch zielgruppengerechter zu gestalten“, betont Peter Schweiker, Geschäftsführer der Pakt Zukunft gGmbH.

Mehr Informationen auf

www.ihk.de/heilbronn-franken
www.kodis.iao.fraunhofer.de

Eine Plattform für KI-Themen und Aktivitäten bietet KITO unter www.paktzukunft.de

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