Sprachförderung bei mehrsprachigen Kindern Thema im Haus der Familie Tenever

Wie entwickelt sich Sprache? Lernen Kinder über Medien (Smartphone, TV, Tablett etc.) Sprache? Kann ein Kind von klein auf mehr als eine Sprache erwerben? Welche Sprach(n) sollen Eltern mit ihrem Kind sprechen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortrags von Prof. Dr. Wiebke Scharff Rethfeldt (Foto, stehend Mitte) im Haus der Familie in Tenever am 5. Dezember 2018. Die Expertin für Mehrsprachigkeit und Interkulturalität folgte einer Einladung des Bremer Amtes für Soziale Dienste in die Stadtteil-Einrichtung mit Angeboten für Eltern und Kindern unter drei Jahren.

Eltern von Kindern unterschiedlicher Nationalitäten, Erstsprachen und Kulturen hörten der Professorin interessiert zu, wie sie die Sprachentwicklung ihres Kindes unterstützen und den Mehrspracherwerb erfolgreich fördern können. Auch erhielten sie Hinweise, woran sie erkennen können, ob sich ihr Kind sprachgesund entwickelt und wann die Konsultation einer Logopädin sinnvoll sein kann.


„Kinder wachsen in sehr unterschiedlichen Umgebungen auf, und es ist wichtig, die kindliche Sprach- und Sprechentwicklung mit dem Ziel des Erwerbs einer kommunikativen Kompetenz zu unterstützen. Mit dem Begriff ‚kommunikative Kompetenz‘ wird die Summe aller sprachlichen und nicht-sprachlichen Fähigkeiten bezeichnet, die das Kind einsetzt, um seine Gedanken, Intentionen auszudrücken und sie seiner Umwelt mitzuteilen,“ so Scharff Rethfeldt. Erstes Dialogverhalten könne bereits früh beobachtet und gestärkt werden, zum Beispiel wenn ein Kind auf unterschiedliche Weise schreit, weil es Hunger hat oder auf den Arm möchte oder auf Dinge zeigt, die es haben möchte. Wichtig ist, dass Eltern auf die kindlichen Signale reagieren und früh beginnen, ihr eigenes sowie das Verhalten des Kindes sprachlich zu begleiten. Sprachgesunde Kinder seien von sich aus motiviert zu kommunizieren, die Barrieren zur erfolgreichen Entwicklung einer kommunikativen Kompetenz lägen eher im kindlichen Umfeld, wie zum Beispiel der Einsatz von Bildschirmmedien. „Jede Minute Aufmerksamkeit, die ich meinem Smartphone oder Tablet widme, ist eine Minute weniger Gelegenheit, durch Interaktion die kommunikative Kompetenz meines Kindes zu fördern“, so die Expertin. Dabei seien die ersten Lebensjahre entscheidend, denn hier lerne das Kind, sich sprachlichen Input einzuholen, zum Beispiel durch Zeigen auf Gegenstände oder später auch häufige Fragen an die Erwachsenen.

Anschließend gab es ausreichend Gelegenheit, mit der Expertin für Sprachentwicklung in unterschiedlichen Sprachen auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen. Die 15 anwesenden Mütter, für die Deutsch die Zweit-, Dritt- oder sogar Viertsprache darstellt, stellten viele Fragen berichteten über ihre Erlebnisse mit ihren Kindern sowie im Anschluss begeistert darüber, dass sie viele hilfreiche Anregungen für ihren Alltag mitnehmen konnten.

 

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