Studienaussteiger sollen nicht die Verlierer des akademischen Bildungssystems sein. Das ist das gemeinsame Ziel diverser regionaler Akteure auf dem Arbeitsmarkt, die sich heute an der Hochschule Niederrhein getroffen haben, um die Kooperationsvereinbarung „Perspektiven für Studienaussteiger“ zu unterzeichnen.

Mit dabei sind die IHK Mittlerer Niederrhein, die Handwerkskammer Düsseldorf, die Arbeitsagenturen Krefeld und Mönchengladbach, die Kreishandwerkerschaften Niederrhein und Mönchengladbach sowie die Jobcenter Krefeld, Mönchengladbach und Viersen. Insgesamt also eine große Runde, die sich am 13. Februar auf dem Campus Krefeld Süd der Hochschule Niederrhein traf, um sich mit einer Gruppe zu beschäftigen, die aufgrund steigender Studierendenzahlen ebenfalls immer größer wird: die Studienaussteiger.

Ziel der Kooperationsvereinbarung ist es, den Studienaussteigern Perspektiven aufzuzeigen, die in Zeiten des Fachkräftemangels alles andere als schlecht sind. Industrie, Handel und Handwerk suchen dringend motivierte junge Menschen. Mit dem Abkommen soll ein Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung in der Region Niederrhein geleistet werden. Außerdem kann es zu mehr Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung führen.

Kern des Abkommens ist es, Studienaussteiger bei ihrer beruflichen Neuorientierung zu beraten und zu unterstützen. Dabei geht es vor allem um Ausbildungsstellen in den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region, für die geeignete Personen gefunden werden sollen. Um diese Arbeit zu leisten, soll eine gemeinsame Koordinierungsgruppe eingerichtet werden, die den regelmäßigen Austausch von Informationen zwischen den Kooperationspartnern sicherstellt.

Stimmen zum Kooperationsabkommen:

Prof. Dr. Berthold Stegemerten, Vizepräsident für Studium und Lehre der Hochschule Niederrhein: „Vor allem in den ersten beiden Semestern brechen viele Studierende ab oder wechseln das Studium. Eine solche Entscheidung muss kein Makel im Lebenslauf sein. Wer im Anschluss eine berufliche Ausbildung abschließt, trägt dazu bei, die Durchlässigkeit zwischen den Bildungssystemen in beide Richtungen zu erhöhen.“

Jürgen Steinmetz, IHK-Hauptgeschäftsführer: „Die IHK Mittlerer Niederrhein führt vielfältige Aktionen zur Berufsorientierung durch, damit junge Menschen Erfüllung im Berufsleben finden und Unternehmen ihren Fachkräftenachwuchs sichern. Wollen Studierende aus dem akademischen Weg aussteigen, beraten wir, zeigen neue Wege zur beruflichen Karriere auf und unterstützen bei der Vermittlung in Betriebe, die sich auf die Fachkräfte für morgen freuen. Gemeinsam mit den Partnern aus Handwerk, Hochschule und Agenturen in unserer Region unterstützen wir Aussteiger beim für sie passenden Neueinstieg.“

Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Düsseldorf:
„Das Handwerk, das unter Fach- und Führungskräftemangel leidet, kann und will auf die leistungsstarke Zielgruppe mit Studienberechtigung und -Erfahrung nicht verzichten. Das ist der zentrale Beweggrund für die Handwerkskammer Düsseldorf, allen Studienzweiflern im Rahmen der Kooperation mit der Hochschule Niederrhein ein konkretes Angebot für den Umstieg in eine Berufsausbildung machen zu wollen. Wer entdeckt, dass er für sein Studium nicht geeignet ist, kann jetzt und in Zukunft schnell und systematisch seine Alternative prüfen und realisieren.“

Wolfgang Draeger, Geschäftsführer operativ Agentur für Arbeit Mönchengladbach: „Studienausstieg ist kein Ausstieg aus der Ausbildung, sondern ein erneuter Einstieg in die Berufswelt – auf einer gereifteren Basis. Die Kooperationsvereinbarung wird dazu beitragen, den Studienaussteigern tragfähige Perspektiven aufzuzeigen und diese gemeinsam mit ihnen umzusetzen. Die spezifischen Beratungskompetenzen der einzelnen Partner ermöglichen den Studienaussteigern eine fundierte Entscheidung.“

Dirk Strangfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld: „Die Gründe, an dem einmal eingeschlagenen Weg seines Studiums zu zweifeln und einen Abbruch in Erwägung zu ziehen, können vielfältig sein. Deshalb ist es ratsam, alle Hilfen und Beratungsangebote, die die Partner dieses Kooperationsnetzwerkes zu unterschiedlichen Fragestellungen vorhalten, so früh und konsequent wie möglich in Anspruch zu nehmen. Ein gut bedachter Perspektivwechsel muss nicht als Makel gesehen werden, sondern kann auch eine große Chance und einen neuen Anfang bieten.“

Frank Mund, Kreishandwerksmeister Mönchengladbach: „Die zweite Chance bedeutet eine Win-win Situation für Studienabbrecher und Handwerks-unternehmen in der Region. So hat der Student als Schüler die Vielfalt und die Chancen des modernen Handwerks nicht kennengelernt. Unsere Aufgabe ist es nun, diese Informationen nachzuholen. Denn das weiter prosperierende Handwerk benötigt dringend qualifizierten und qualifizierbaren Nachwuchs zur Übernahme komplexer Aufgaben.“

Paul Neukirchen, Kreishandwerksmeister Kreishandwerkerschaft Niederrhein: „Wenn wir durch unsere Kooperation Studienaussteiger ermutigen können, entschlossen einen Neuanfang zu wagen, haben wir viel erreicht. In den letzten Jahren haben wir im Handwerk zahlreiche Studienaussteiger ausgebildet, die ihre Gesellenprüfung mit herausragenden Leistungen gemeistert haben. Sie berichten uns, wie glücklich sie sind, dass sie jetzt einen Beruf gefunden haben, der ihnen wirklich Spaß macht und sie erfüllt. Auch das zeigt: Die duale Ausbildung ist kein Plan B, sondern oft die bessere Alternative – mit hervorragenden Perspektiven in einer Vielzahl von Berufen.“

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