Jobs in der Pflege: Ein Spagat zwischen Hingabe und emotionaler Distanz

Intime Momente, Situationen, die mit Scham besetzt sind und Hilflosigkeit – in der Pflege öffnen sich Patienten und Bewohner ihren Pflegekräften und geben Persönlichstes preis. Die Gegebenheiten sind für beide Seiten nicht immer leicht. Soziale Kompetenzen des Pflegepersonals helfen, das Spannungsfeld zwischen emotionaler Nähe und beruflicher Distanz zu wahren, weiß Annette Pursche, Niederlassungsleiterin von inCare aus Düsseldorf.

Warum ist Sozialkompetenz gerade in der Pflege so wichtig?


Annette Pursche: „Im Grunde kann man so gut wie keine Aufgabe ausschließlich mit Fachwissen erfolgreich ausführen. Denn sobald Kontakt zu Menschen besteht, sind soziale Kompetenzen (Soft Skills) in verschiedensten Formen und Ausprägungen gefragt. Ob es Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft sind, Toleranz oder auch Kommunikationsfähigkeit, die Zusammenarbeit mit anderen Menschen erfordert Einfühlungsvermögen. In der Pflege besteht zudem die Besonderheit, dass die Kräfte zugleich immensem Stress und Druck ausgesetzt sind. Außerdem pflegen sie Bewohner und Patienten in intimen Momenten, die zum Teil mit Scham besetzt sind. Ohne Empathie geht hier nichts. Auf der anderen Seite, muss die Pflegekraft aber auch auf sich selbst achten und sich selbst und ihre Bedürfnisse verständlich machen. Selbstbewusstsein, Disziplin sowie Selbsteinschätzung, Reflexion  und Verantwortung für die eigene Person gehören unter anderem dazu. Soziale Kompetenzen wie diese dienen als Gerüst auf ganz verschiedenen Ebenen. Denn neben dem Umgang zwischen Patienten und Bewohnern gibt es auch noch das Kollegium, Führungskräfte und viele weitere Personenkreise, mit denen man im Joballtag in Kontakt tritt.“

Welche Eigenschaften zeichnen Pflegekräfte aus?

Annette Pursche: „Natürlich ist Fachwissen in Pflege und Medizin ein zentraler Baustein, wenn es darum geht, pflegebedürftige Menschen möglichst gut zu unterstützen. Die Leidenschaft für den Beruf geht für Menschen, die in der Pflege arbeiten, aber weit über die Grundversorgung hinaus. Sie kümmern sich voller Hingabe um ihre Patienten und möchten ihre Arbeit nicht nur ordnungsgemäß verrichten, sondern etwas Gutes tun. Sie sehen ihren Job in der Pflege als Berufung. Die hohe Sozialkompetenz, die gefordert ist, um in der Pflege zu arbeiten, lässt sich nicht auf wenige Eigenschaften reduzieren. Pflegekräfte übernehmen für ihre Bewohner und Patienten die Verantwortung und unterstützen sie dabei, ihre Zeit im Krankenhaus oder im Seniorenheim so angenehm und selbstständig wie möglich zu verbringen. So sind sich die Pflegekräfte stets bewusst, dass sie im „Zuhause“ der Menschen arbeiten und kümmern sich daher sehr sensibel und mit viel Umsicht um sie. Sie gehen entsprechend auf die Sorgen und Gefühlslagen der Bewohner und Patienten ein und berücksichtigen im Umgang mit ihnen stets die individuellen Vorlieben und Wünsche. Sie sind ruhig, motivieren und schaffen es auch, Menschen, die sich „hängen lassen“ wieder zu aktivieren und bringen Freude in ihren Alltag. Das ist anstrengend, wird durch die unmittelbare Bestätigung aber hoch belohnt.“

Empathisch sein und trotzdem Distanz wahren, geht das?

Annette Pursche: „Das ist eine der größten Herausforderungen für die Pflegekräfte. Sie haben eine starke Bindung zu den Bewohnern und vermitteln ihnen, dass sie sich auf sie verlassen können. Um dieses Gefühl der Sicherheit auszulösen, besteht eine gewisse Nähe, die über die Grundversorgung hinausgeht und das ist auch gut so. Das enge vertrauensvolle Verhältnis erschwert es allerdings, eine emotionale Distanz zu halten. Schließlich besteht immer noch ein Pflegekraft-Patienten-Verhältnis. In der Branche wird wenig über diesen Spagat gesprochen. Wir fordern unsere Mitarbeiter gezielt auf, zu uns zu kommen, wenn die emotionale Belastung zu groß wird. Wir begleiten Einsätze vor Ort oder setzen Nachbesprechungen an, um die Belastungen zu reduzieren. Manchmal reicht schon ein Wechsel auf eine andere Station oder eine Anpassung der Arbeitszeiten. So haben wir eine Mitarbeiterin beispielsweise von der „Frühchen-Station“ in einen anderen Bereich versetzt. Gerade in extremeren Situationen, die die Kräfte persönlich berühren, ist es wichtig, die emotionale und psychische Belastung so gering wie möglich zu halten. Jeder macht seine Erfahrungen, lernt Dinge kennen, die ihm liegen oder merkt, dass das nicht das richtige ist. Beides ist völlig ok – Hauptsache wir sprechen darüber. Alleine kann keiner die Welt retten, unser inCare-Team hält zusammen. Denn sich komplett für den Job aufzuopfern, hat nichts mehr mit Berufsehre zu tun, da muss man sich selbst ganz klar schützen. Das geben wir allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit auf den Weg.“

Wie gehen die Kräfte mit neuen Einsätzen um?

Annette Pursche: „Wechsel in einen neuen Einsatz sind bei uns kein großes Thema. Einige regen ihren Jobwechsel auch selbst an, um sich weiterzuentwickeln, neue Erfahrungen zu sammeln oder weil sie ihren Wohnort wechseln. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Mitarbeiter sehr gut auf die Jobwechsel mit neuen Kollegen und Patienten einstellen können. Durch die Wechsel haben sie eine deutlich höhere Fach- und Sozialkompetenz. Sie können sich schnell auf neue Gegebenheiten einlassen und finden auch zu schwierigeren Persönlichkeiten einen Draht. Das geht natürlich auch mit Lebenserfahrung und Menschenkenntnis einher. Denn Kräfte, die verstehen, was Bewohner denken und fühlen, können entsprechend reagieren. Konflikten wird so vorgebeugt und Probleme werden schneller erkannt. Schließlich kann sich nicht jeder Bewohner im Altenheim noch so gut artikulieren, dass er erklären kann, wo er Schmerzen hat, wo die Schuhe drücken oder dass er sein Essen nicht mag. Beobachten und die richtigen Fragen stellen, führt zu Lösungen.“

Wie wird festgestellt, ob ein Bewerber soziale Kompetenzen mitbringt?

Annette Pursche: „Durch unsere langjährige Erfahrung und Menschenkenntnis können wir Bewerber sehr gut einschätzen. Außerdem besitzen wir durch Kollegen aus der Pflege eine sehr hohe Fachkompetenz. Zeugnisse geben dann weitere Hinweise auf persönliche Stärken. Im Zweifel kontaktieren wir in Absprache auch den vorherigen Arbeitgeber. Bewerber ohne jegliche Vorerfahrung können wir leider nicht berücksichtigen. Grundsätzlich ist die Pflegebranche aber sehr offen für Quereinsteiger und wir freuen uns über jede Bewerbung. In jedem Fall darf man als Pflegekraft keine Angst vor Verantwortung haben.“

Über die Piening GmbH

Unter der Marke inCare bietet die Piening GmbH umfassende HR-Lösungen für Krankenhäuser, Altenheime und weitere Pflegeeinrichtungen. Mit neun Niederlassungen bietet inCare seine Dienstleistungen sowohl regional spezialisiert als auch bundesweit im Bereich Personalvermittlung und Reisepflege an.

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Annette Pursche
Niederlassungsleiterin
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E-Mail: Duesseldorf@in-care.de
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