
Wie weit die KI-Nutzung nach Qualifikationsniveau auseinandergeht
Der Datenreport stützt die Nutzungswerte auf eine Beschäftigtenbefragung aus dem Jahr 2024, die rund 9.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland erfasst hat. Ausgewertet wurde daraus ein Teilsample derjenigen, die Angaben zur eigenen KI-Nutzung gemacht haben. Die Werte beschreiben Tätigkeiten, nicht Personen: Maßgeblich ist, welchen Abschluss eine Stelle voraussetzt. Gezählt wird, wer KI-Technologien mindestens selten einsetzt.
- 62 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzen KI-Anwendungen.
- 80 Prozent sind es in Tätigkeiten mit Hochschul- oder Fortbildungsabschluss.
- 58 Prozent sind es in Tätigkeiten mit berufsfachlichem Abschluss.
- 33 Prozent sind es in Tätigkeiten ohne vorausgesetzten Berufsabschluss.
Der Abstand zwischen der obersten und der untersten Gruppe beträgt laut dieser Auswertung 47 Prozentpunkte. Auffällig ist die Richtung: Wer bereits über einen formalen Abschluss verfügt, arbeitet am häufigsten mit Werkzeugen, die selbst Lernhilfen sein können.
Warum das Bundesinstitut der Technik ein eigenes Schwerpunktkapitel widmet
Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht ist die jährliche Bestandsaufnahme des Bundesinstituts für Berufsbildung und umfasst in der Ausgabe 2026 knapp 600 Seiten. Das Schwerpunktkapitel zur künstlichen Intelligenz beginnt laut Inhaltsverzeichnis auf Seite 389 und beschreibt den Einsatz entlang des gesamten Bildungsverlaufs: Berufsorientierung, Ausbildung, Prüfung, Weiterbildung.
Die Auswahl des Schwerpunkts ist selbst eine Aussage. Ein Institut, das seinen Jahresbericht sonst nach Verträgen, Angebot und Nachfrage gliedert, widmet einer Technik ein eigenes Schwerpunktkapitel, deren Verbreitung es im selben Band als ungleich verteilt ausweist.
Wie sich der Ausbildungsmarkt zum Stichtag 30. September 2025 darstellt
Der zweite Befund des Reports betrifft den Zugang zur Ausbildung. Laut der BIBB-Erhebung zum 30. September 2025 wurden bundesweit rund 476.000 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 10.300 weniger als im Jahr davor und damit ein Rückgang um 2,1 Prozent.
Gleichzeitig wuchs die Zahl der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz. Nach Angaben des Bundesinstituts suchten zum Stichtag noch 84.400 junge Menschen eine Ausbildungsstelle, 14.000 mehr als im Vorjahr und damit ein Anstieg um 19,9 Prozent. Berechnungen des Instituts auf Grundlage des Mikrozensus weisen für 2024 zudem 18,8 Prozent der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss aus, hochgerechnet 2,76 Millionen Menschen.
Woran die Datenlage zur KI-Nutzung ihre Grenzen hat
Zwei Erhebungen im selben Report kommen zu unterschiedlichen Nutzungsquoten, und der Report erklärt den Unterschied selbst. Die Erwerbstätigenbefragung mit 20.006 Befragten, telefonisch erhoben von Oktober 2023 bis April 2024, weist laut Datenreport 20,8 Prozent der Erwerbstätigen aus, die bei ihrer Arbeit Technologien mit künstlicher Intelligenz nutzen. Das Bundesinstitut bezeichnet diesen Wert ausdrücklich als konservativen Mindestschätzer.
Die höhere Quote von 62 Prozent stammt laut Bundesinstitut aus der neueren Befragung mit einer weiter gefassten Definition von KI-Anwendungen. Beide Zahlen nebeneinanderzustellen und als Widerspruch zu lesen, führt in die Irre; verglichen werden dürfen nur Werte innerhalb derselben Reihe. Der Abstand zwischen 80 und 33 Prozent stammt aus einer einzigen Erhebung und bleibt davon unberührt.
Was aus den Zahlen für das Lernen neben dem Beruf folgt
Weiterbildung neben einer Vollzeitstelle scheitert selten am Willen und häufig am Zuschnitt. Lernzeit entsteht in Resten: auf dem Arbeitsweg, in der Pause, am späten Abend. Formate, die sich in solche Reste einfügen lassen, haben deshalb einen praktischen Vorteil gegenüber Kursterminen, die eine feste Stunde am Stück verlangen.
Sprachkenntnisse sind für viele der erste Schritt zurück in eine geregelte Qualifizierung, weil sie in fast jedem Berufsfeld verwertbar sind. Ein Trainingsformat, das Vokabeln, Hörverstehen und Abfrage verbindet, zeigt die Darstellung zum Englischtraining mit Lernkarten, Podcast und Quiz. Der Nutzen entsteht dabei weniger durch die Technik als durch die Wiederholung in kurzen Abständen.
„Zwei Befunde aus demselben Bericht zeigen in dieselbe Richtung. Wer keinen Abschluss hat, bekommt seltener eine Ausbildungsstelle und arbeitet zugleich seltener mit den Werkzeugen, die das Nachholen erleichtern würden“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Wann die nächsten Zahlen zur beruflichen Bildung vorliegen
Die Erhebung des Bundesinstituts zum Stichtag 30. September 2026 läuft derzeit; erste Ergebnisse werden traditionell in der Dezembersitzung des Hauptausschusses vorgestellt und anschließend veröffentlicht. Der nächste Datenreport folgt im Mai 2027, weil der Berufsbildungsbericht jeweils im Frühjahr vorzulegen ist.
Für den Herbst 2026 lässt sich aus den vorliegenden Zahlen eine konkrete Erwartung ableiten. Sollte die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber erneut steigen, wächst der Bedarf an Qualifizierungsangeboten für Erwachsene schneller als das Angebot an Ausbildungsplätzen. Gefragt sind dann Lernformate, die neben einer bestehenden Beschäftigung funktionieren.
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